APE MUSAYI ANIYORUZ

Musa_anter_[1]Musa Anter aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie Wechseln zu: Navigation, Suche Musa Anter

 (* 1920 in Eskimağara, Provinz Mardin; † 20. September 1992 in Diyarbakir), auch Apê Mûsa (Onkel Musa) genannt, war ein kurdischer Schriftsteller und Intellektueller. Leben [Bearbeiten] Er kam 1920 in dem Dorf Eskimağara (ehemals Zivingê) bei Nusaybin in der türkischen Provinz Mardin in ärmlichen Verhältnissen zur Welt. Sein Vater starb, als er noch ein Kind war. Der Name seines Vaters Anter wurde zum späteren Familiennamen. Er wuchs bei seiner Mutter auf. Die Grundschule besuchte er in Mardin in einem Internat. Diese neuen Internate waren eine neue Maßnahme, um die kurdischen Kinder zu türkisieren. Die mittlere Schule und das Gymnasium besuchte er in Adana, wo er bis 1941 blieb. Musa Anter wurde danach mit einigen wenigen ausgewählten Schülern vom Staat auf ein Internat in Istanbul geschickt. Während seines Philosophiestudiums lernte er viele kurdische Studenten kennen. Darunter waren der spätere Generalsekretär der Arbeiterpartei der Türkei Tarık Ziya Ekinci, der Gründer der Türkiye Milli Parti (Türkische nationale Partei) Yusuf Azizoğlu und der Gründer der Demokratischen Partei Kurdistans-Türkei Faik Bucak. Später wechselte er von Philosophie zu Jura. Am 11. Dezember 1944 heiratete er die Tochter des Großunternehmers Abdurahim Zapsu und bekam zwei Söhne namens Anter (* 18. August 1945) und Dicle (* 30. März 1950) und eine Tochter namens Rewşen (tr: Rahşan) (* 18. Oktober 1948). An der Universität begannen seine politischen Aktivitäten. Angeregt wurde er durch Ereignisse aus dem Ausland. In den 50er Jahren gab es kurdischsprachige Radiosendungen aus Eriwan und Kairo. Aber prägender für Musa Anter war die Revolution 1958 im Irak und die Rückkehr Mustafa Barzanis aus dem sowjetischen Exil. Er wurde zum Herausgeber mehrere Zeitschriften, die sich mit der kurdischen Problematik beschäftigten, unter anderem Ileri Yurt in Diyarbakır. Ileri Yurt war seit Jahrzehnten wieder die erste Zeitschrift, die sich mit den Kurden beschäftigte. 1959 wurde er zusammen mit 48 anderen verhaftet. Anfangs drohte allen 49 Gefangen die Todesstrafe durch Erhängen. Aber da eventuelle Proteste aus dem Ausland drohten, blieben sie 6 Monate inhaftiert. Dieser „49er Prozess“ trug dazu bei, die kurdische Frage öffentlich bewusst zu machen. In Haft schrieb Musa Anter sein erstes Buch Birîna Reş (dt: Die Schwarze Wunde). Von 1961/62 veröffentlichte er die kurdisch- und türkischsprachige Zeitschrift Dicle-Firat in Istanbul. In den 60er Jahren trat er der Arbeiterpartei der Türkei bei. Er sollte bei den Wahlen 1965 kandidieren, aufgrund finanzieller Schwierigkeiten konnte sich Musa Anter aber eine Kandidatur nicht leisten. 1971 wurde er erneut verhaftet. 1976 kehrte er in sein Dorf zurück und blieb dort bis 1989. 1979 wurde Anter ein weiteres Mal verhaftet. Schließlich kehrte er nach Istanbul zurück und schrieb weiterhin für kurdische Zeitschriften wie z.B. für Welat (Heimat), Ülke (Land), Özgur Gündem (Freie Tagesordnung) und Özgur Ülke (Freies Land). In Istanbul war er Mitbegründer der prokurdischen HEP, der Vorgängerin der DTP und des Kurdischen Instituts Istanbul. Insgesamt verbrachte er 11,5 Jahre seines Lebens in Gefängnissen: Angefangen als Jugendlicher 1938, während des Dersim-Aufstandes, bis 1990, wo er das letzte Mal im Gefängnis war. Am 20. September 1992 wurde er in Diyarbakır entführt und später erschossen. Er war das Opfer der JİTEM, die auf Anordnung der Regierung kurdische Geschäftsmänner und Intellektuelle ermordeten, um so die kurdische Bewegung zu ersticken. JİTEM war Teil des türkischen Tiefen Staates. Sein Grab befindet sich im Landkreis Nusaybin der Provinz Mardin.

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